Wertverlust: Verliert ein E-Auto mehr Wert als ein Verbrenner?
Nach drei Jahren ist ein Elektroauto im Schnitt deutlich weniger wert als ein Benziner. Im ersten Jahr ist es umgekehrt. Hier sind die Zahlen, die Gründe und was Sie dagegen tun können.
Aktualisiert am 11 Min. Lesezeit6 Quellen
Kurz gesagt
- Nach 3 Jahren haben E-Autos noch 50–62 % ihres Werts, Benziner 68–70 %.
- Im ersten Jahr liegen E-Autos leicht vorn: 75 % gegenüber 73 %.
- Am wertstabilsten: Tesla Model 3/Y und Hyundai Ioniq 5 / Kia EV6. Luxus-Modelle verlieren bis zu 65 %.
- Niedrigere Betriebskosten gleichen den Verlust oft aus. Rechnen Sie es für Ihr Auto nach.

Inhalt dieses Artikels
Die Zahlen im direkten Vergleich
Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) liefert mit ihren regelmäßigen Analysen die zuverlässigsten Daten zum Wertverlust. Das Bild ist differenziert: Insgesamt haben es E-Autos schwerer, aber Alter und Modell machen einen großen Unterschied.
Heller Teil = Spannweite je nach Modell. Quelle: DAT, Allianz, AutoScout24 (2024/2025)
| Alter | Elektroauto | Benziner | Diesel |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 75 % | 73 % | 72 % |
| 3 Jahre | 50–62 % | 68–70 % | 66–68 % |
| 4 Jahre | 50 % | 55 % | 54 % |
| 5 Jahre | 35–50 % | 49–51 % | 47–49 % |
Restwert in Prozent des Neupreises. Quelle: DAT, Allianz, AutoScout24 (2024/2025)
Das Wichtigste aus den Zahlen
- Junge E-Autos (unter 12 Monate) sind wertstabiler als Verbrenner: 75 % Restwert gegenüber 73 % bei Benzinern – dank hoher Nachfrage und voller Garantie.
- 3–5 Jahre alte E-Autos verlieren überproportional. Hauptgründe: Technik-Sprünge bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit sowie Unsicherheit über den Akku.
- Premium-Modelle trifft es am stärksten: Porsche Taycan (−65 %), BMW iX (−60 %), Mercedes EQS (−55 %).
- Tesla ist die Ausnahme: Model 3 und Model Y verlieren in 3 Jahren nur 15–20 % – dank klarer Preispolitik.
Verlauf über 1, 3 und 5 Jahre
Verbrenner verlieren recht gleichmäßig an Wert. E-Autos entwickeln sich in zwei Stufen: Auf ein stabiles erstes Jahr folgt ab Jahr 2–3 ein deutlicher Knick. Am Beispiel VW ID.3 (45.000 €) gegen VW Golf (35.000 €):
| Elektroauto | Verbrenner | |
|---|---|---|
| Jahr 1 | Hohe Nachfrage, volle Garantie | Normaler Wertverlust |
| Jahr 3 | Neue Generation mit mehr Reichweite | Stabile Nachfrage |
| Jahr 5 | Akku-Alter, ältere Technik | Bewährte Technik |
Hauptgrund für den Restwert im jeweiligen Jahr
Mehrere Dinge kommen zusammen: Die allgemeine Herstellergarantie läuft oft aus (die Akku-Garantie gilt meist 8 Jahre/160.000 km, wirkt aber psychologisch weniger). Neue Modelle mit 30–50 % mehr Reichweite kommen auf den Markt. Und der Gebrauchtmarkt ist noch klein, was die Preisfindung erschwert. Dazu sinken die Neuwagenpreise – das drückt die Preise für Gebrauchte.
Warum E-Autos stärker verlieren
Der höhere Wertverlust hat mehrere Ursachen. Nicht alle E-Autos sind gleich stark betroffen, und die Lage verbessert sich.
1. Schneller technischer Fortschritt
Ein drei Jahre altes E-Auto hat oft nur 60 % der Reichweite eines Neumodells und lädt langsamer. Ein VW ID.3 von 2021 mit 340 km Reichweite wirkt neben dem 2024er Modell mit 550 km veraltet. Noch deutlicher: Nissan Leaf von 2020 (40 kWh, 270 km) gegen Nissan Ariya von 2024 (87 kWh, 500 km) – fast doppelte Reichweite nach nur vier Jahren.
2. Sorge um die Batterie
Moderne Akkus halten sehr lange, oft über 300.000 km. Trotzdem fürchten Käufer Austauschkosten von 10.000–20.000 €. Studien zeigen: Auch nach 300.000 km bleiben meist 80–85 % Kapazität. Das Problem ist eher die Wahrnehmung als die Realität.
3. Viele Leasing-Rückläufer
70–80 % der E-Autos werden geleast. Nach drei Jahren kommen sie gleichzeitig auf den Markt und treffen auf begrenzte Nachfrage. Große Vermieter wie Sixt und Hertz verkauften 2024 über 40.000 E-Autos – zusätzlicher Preisdruck.
4. Ende der Förderung
Bis Ende 2023 gab es bis zu 9.000 € Umweltprämie. Ein geförderter Neuwagen für 35.000 € konkurrierte mit drei Jahre alten Gebrauchten für 28.000 € – keine attraktive Ersparnis. Seit dem Förderende normalisiert sich das langsam.
5. Kleiner Gebrauchtmarkt
Mit nur 3 % E-Autos im Bestand ist der Gebrauchtmarkt klein. 2024 wurden 44.000 gebrauchte E-Autos umgeschrieben – gegenüber über 6 Millionen Verbrennern. Weniger Nachfrage und unsichere Preise bedeuten höheren Wertverlust.
Diese Faktoren sind typisch für eine neue Technik und vorübergehend. Der Verbrenner hatte in seinen Anfangsjahren (1900–1920) ähnliche Probleme. Je reifer die Technik, desto stabiler die Restwerte.
- Im 1. Jahr wertstabiler als Benziner
- Strom und Wartung günstiger
- Restwerte steigen, je reifer der Markt wird
- Ab Jahr 3 klar höherer Wertverlust
- Luxus-Modelle verlieren bis 65 %
- Preise schwer vorherzusagen
Die wertstabilsten E-Autos
Wertverlust nach 3 Jahren, laut DAT, AutoScout24 und Händlerdaten. Weniger ist besser.
- 1Tesla Model 3 / Model YKlare Preise, gute Ladetechnik15–20 %
- 2Hyundai Ioniq 5 / Kia EV6800-Volt-Technik, lange Garantie25–30 %
- 3Škoda Enyaq / VW ID.4Praktisches SUV, bewährte MEB-Plattform35–40 %
- 4Renault ZoeBeliebter Kleinwagen, große Community35–40 %
- 5VW ID.3Hohe Stückzahlen, Golf-Ersatz40–45 %
- 6Cupra BornSportlich, gleiche Technik wie ID.340–45 %
- 7Polestar 2Premium-Anmutung, Volvo-Qualität45–50 %
Höchster Wertverlust nach 3–5 Jahren
| Modell | Wertverlust |
|---|---|
| BMW i7 | −65 % |
| Porsche Taycan | −50 bis −65 % |
| Jaguar I-Pace | −60 % |
| Audi e-tron (alte Generation) | −55 bis −60 % |
| Mercedes EQS / EQE | −50 bis −55 % |
Premium-Käufer erwarten neueste Technik. Ältere Luxus-E-Autos wirken schnell veraltet – als Gebrauchte oft ein Schnäppchen.
Was macht ein E-Auto wertstabil?
- Klare Preispolitik ohne ständige Rabatte
- Hohe Reichweite: mindestens 400 km real, besser 500 km und mehr
- Schnelles Laden: 10–80 % in unter 20 Minuten (800-Volt-Technik)
- Gefragte Fahrzeugklasse: Kompakt-SUV und Mittelklasse statt Nische
- Starke Marke mit Elektro-Erfahrung
- Lange Garantie: 8 Jahre auf den Akku als Standard
- Alltagstauglichkeit: Platz, Anhängerkupplung, Allrad optional
Wertverlust bei Verbrennern
Verbrenner verlieren gleichmäßiger und vorhersehbarer an Wert. Die Technik ist ausgereift, der Gebrauchtmarkt etabliert und Käufer kennen die Risiken.
| Alter | Benziner | Diesel |
|---|---|---|
| 1 Jahr | 73 % | 72 % |
| 3 Jahre | 68–70 % | 66–68 % |
| 5 Jahre | 49–51 % | 47–49 % |
| 8 Jahre | 30–35 % | 28–32 % |
Restwert in Prozent des Neupreises
Wertstabilste Benziner: VW Golf, Audi A4, BMW 3er, Mercedes C-Klasse. Wertstabilste Diesel: BMW 5er, Audi Q5, VW Passat, Mercedes E-Klasse.
Plug-in-Hybride: der größte Wertverlust
Plug-in-Hybride verlieren am meisten: nach 3 Jahren oft nur noch 50 % Restwert, nach 5 Jahren teils unter 40 %. Gründe sind die teuren Reparaturen zweier Antriebe, Unsicherheit und die weggefallene Förderung. Ferdinand Dudenhöffer prognostizierte 2022: „PHEVs droht dasselbe Schicksal wie dem Diesel.“
Warum Verbrenner stabiler im Wert sind
- Ausgereifte Technik: kaum noch große Entwicklungssprünge
- Etablierter Markt: klare Preise durch jahrzehntelange Erfahrung
- Hohe Nachfrage: 97 % des Bestands sind Verbrenner
- Bekannte Risiken: keine Unsicherheit über einen Akku
- Tankstellen überall verfügbar
Wertverlust nach Fahrzeugklasse
Kompakt-SUVs und Mittelklasse halten ihren Wert relativ gut. Luxus-Limousinen und Kleinstwagen verlieren überproportional.
| Klasse | Wertverlust | E-Auto-Beispiele | Verbrenner-Beispiele |
|---|---|---|---|
| Kompakt-SUV | 35–40 % | VW ID.4, Škoda Enyaq, Hyundai Ioniq 5, Tesla Model Y | VW Tiguan, Audi Q3, BMW X1 |
| Mittelklasse | 40–45 % | Tesla Model 3, VW ID.3, Polestar 2, Cupra Born | VW Golf, BMW 3er, Audi A4 |
| Kleinwagen | 45–50 % | Renault Zoe, VW e-Up, Fiat 500e, Mini Cooper SE | VW Polo, Opel Corsa, Renault Clio |
| Oberklasse / Luxus | 50–65 % | Porsche Taycan, Mercedes EQS, BMW iX | Porsche Panamera, Mercedes S-Klasse |
Geringster Wertverlust: Kompakt-SUV einer etablierten Marke (VW, Škoda, Hyundai). Günstig gebraucht kaufen: Premium-E-Autos nach 3–4 Jahren, oft 50–60 % unter Neupreis. Vermeiden: Plug-in-Hybride und Luxus-E-Autos als Neuwagen.
So verlieren Sie weniger Geld
Den Wertverlust ganz vermeiden können Sie nicht. Diese Maßnahmen verbessern den Restwert aber deutlich:
- Wertstabiles Modell wählen: Tesla, Hyundai/Kia oder VW-Konzern statt Nischenmarke. Kompakt-SUVs halten ihren Wert besser als Limousinen.
- Akku schonen: im Alltag nur bis 80 % laden, nicht unter 20 % fallen lassen, seltener schnellladen. Der Akku-Zustand ist Wertfaktor Nummer 1.
- Kilometer niedrig halten: unter 15.000 km im Jahr sind ideal.
- Lückenlos warten lassen: Scheckheft gepflegt, Software-Updates nicht vergessen.
- Gefragte Ausstattung wählen: Schnellladen (CCS), großer Akku (ab 75 kWh), Wärmepumpe, Abstandstempomat, Matrix-LED.
- Richtig verkaufen: nach 1–2 Jahren (geringer Verlust) oder nach mehr als 5 Jahren. Jahr 3–4 ist am ungünstigsten.
- Akku-Zustand dokumentieren: Ein Prüfbericht mit über 90 % State of Health nach 3 Jahren ist ein starkes Verkaufsargument.
- Leasen statt kaufen erwägen: Dann trägt der Leasinggeber das Restwertrisiko – vor allem bei Premium-Modellen sinnvoll. Mehr dazu: Leasing oder Kauf.
Ein VW ID.4 (2024, 77 kWh) für 45.000 € – regelmäßig gewartet, 12.000 km pro Jahr, 95 % Akku-Zustand, gute Ausstattung: Restwert nach 3 Jahren rund 27.000 € (60 %) statt durchschnittlich 22.500 € (50 %). Das sind 4.500 € mehr.
Prognose: Wie geht es weiter?
Fachleute erwarten, dass die Restwerte von E-Autos deutlich stabiler werden. Offen ist, wann und wie stark.
1. Die Technik wird reifer (2025–2027)
Reichweiten pendeln sich bei 500–600 km ein, Ladezeiten bei 15–20 Minuten (10–80 %). Weniger Generationssprünge bedeuten stabilere Restwerte. Prognose: Ab 2027 nähern sich E-Autos mit 65–70 % nach 3 Jahren den Verbrennern an.
2. Der Gebrauchtmarkt wächst (2025–2028)
Mit über 3 Millionen E-Autos im Bestand bis 2027 normalisiert sich der Markt. Prognose: 2028 werden rund 150.000 gebrauchte E-Autos pro Jahr umgeschrieben (zuletzt 44.000).
3. Die Sorge um den Akku schwindet (2025–2030)
Langzeitstudien zeigen: Akkus halten über 300.000 km und mehr als 15 Jahre. Der Akku-Zustand wird zum normalen Bewertungskriterium – wie die Laufleistung beim Verbrenner.
4. Verbrenner verlieren an Wert (2026–2035)
Mit dem EU-Verbrenner-Aus ab 2035 und steigenden CO₂-Preisen werden Benziner und Diesel weniger gefragt. Prognose: Ab 2030 könnten E-Autos wertstabiler sein – sobald mehr als die Hälfte der Neuzulassungen elektrisch ist.
Zum Vergleich: Verbrenner liegen 2028 voraussichtlich bei 65–68 % nach 3 Jahren.
Fazit: Lohnt sich der Kauf trotzdem?
Oft ja – wenn Sie richtig rechnen. Der höhere Wertverlust ist real, aber nicht das ganze Bild:
- Geringere Betriebskosten gleichen den Wertverlust oft aus: Strom ist rund 50 % günstiger als Benzin, die Wartung 30–40 % günstiger, und die THG-Quote bringt 300–400 € im Jahr.
- Die Lage verbessert sich: Bis 2028 werden die Restwerte deutlich stabiler.
- Meiden Sie Premium-E-Autos als Neuwagen. Als Gebrauchte nach 3–4 Jahren sind sie dagegen oft ein Schnäppchen.
Unsere Empfehlung: Kaufen Sie ein wertstabiles Modell und fahren Sie es mindestens fünf Jahre – oder leasen Sie Premium-Modelle. Die Gesamtkosten sind dann oft niedriger als beim Verbrenner. Mit dem Kostenrechner prüfen
Häufige Fragen
Wie viel Wert verliert ein E-Auto in 3 Jahren?
Im Schnitt 38–50 %. Ein Benziner verliert im gleichen Zeitraum rund 30–32 %.
Welche E-Autos sind am wertstabilsten?
Tesla Model 3 und Model Y, danach Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6. Am meisten verlieren große Luxus-Elektroautos.
Wann sollte ich mein E-Auto verkaufen?
Nach 1–2 Jahren oder nach mehr als 5 Jahren. Im 3. und 4. Jahr ist der Wertverlust am größten.
Verliert die Batterie wirklich so schnell an Wert?
Nein. Nach 300.000 km behalten Akkus meist noch 80–85 % ihrer Kapazität. Der Preisabschlag kommt vor allem aus der Unsicherheit der Käufer.
Quellen
- Deutsche Automobil Treuhand (DAT) (2024): Restwertentwicklung Elektrofahrzeuge und alternative Antriebe – dat.de
- AutoScout24 (2025): Wertverlust-Analyse Elektroautos vs. Verbrenner – Marktdaten aus über 1 Million Inseraten
- Allianz (2024): Elektroauto Wertverlust – Faktoren und Entwicklung
- Center Automotive Research (CAR) / Prof. Dudenhöffer (2023): Restwertentwicklung BEV im Drei-Jahres-Vergleich
- eCarsTrade (2025): Wertverlust-Studie Premium-Elektrofahrzeuge
- ADAC (2025): Elektroauto Kostenvergleich – Total Cost of Ownership inkl. Wertverlust
Alle Angaben ohne Gewähr. Preise und Konditionen können sich ändern.


