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E-Auto ohne eigene Wallbox: So laden Mieter günstig

Keine Garage, Vermieter blockt? Ein Elektroauto geht trotzdem. Beim Supermarkt laden Sie oft günstiger als zu Hause – und eine Wallbox darf Ihr Vermieter meist nicht verbieten.

Aktualisiert am 14 Min. Lesezeit6 Quellen

Kurz gesagt

  • Deutschland hat rund 185.000 öffentliche Ladepunkte, davon über 45.000 Schnelllader.
  • Lidl, Kaufland, Aldi Süd: ab 29 ct/kWh – weniger als Haushaltsstrom.
  • Mobile Wallboxen gibt es ab rund 600 €.
  • Mieter haben ein Recht auf eine Wallbox (§ 554 BGB). Ablehnen darf der Vermieter nur in Ausnahmefällen.
E-Auto ohne eigene Wallbox: So laden Mieter günstig
Inhalt dieses Artikels
  1. Öffentlich laden in Deutschland
  2. Beim Supermarkt laden
  3. Mobile Wallbox
  4. Beim Arbeitgeber laden
  5. Ladekarten im Vergleich
  6. Ihr Recht auf eine Wallbox
  7. Was kostet das? Öffentlich vs. zu Hause
  8. 5 Tipps für Mieter
  9. Fazit

Öffentlich laden in Deutschland

Die Zeiten, in denen Ladesäulen Mangelware waren, sind vorbei. Laut Bundesnetzagentur gab es im November 2025 139.285 Normalladepunkte und 45.321 Schnellladepunkte. Die Zahl der Schnelllader stieg innerhalb eines Jahres um 34 %.

Ladepunkte gesamt
~185.000
Stand November 2025
Schnellladepunkte
45.000+
+34 % zum Vorjahr
Gesamtleistung
7,57 GW
+29 % zum Vorjahr

In Städten ist die nächste Ladesäule im Schnitt näher als die nächste Tankstelle. Die größten Betreiber sind EnBW (9.300+ Ladepunkte), E.ON (4.500+), Tesla (3.200+) und EWE Go (2.700+).

LadeartLeistungLadezeit (60 kWh)Typischer Ort
AC (Normalladung)11–22 kW3–6 StundenParkplätze, Straßenlaternen
DC (Schnellladung)50–100 kW40–70 Min.Supermärkte, Tankstellen
HPC (Ultraschnell)150–350 kW15–25 Min.Autobahn, Ladeparks

Beim Supermarkt laden

Discounter gehören zu den günstigsten Ladestationen in Deutschland. Die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) betreibt über 15.000 Ladepunkte, Aldi Süd über 3.200. Während Sie einkaufen, lädt Ihr Auto – oft günstiger als an der Wallbox zu Hause.

AnbieterAC (≤ 22 kW)DC (≤ 50 kW)HPC (≥ 150 kW)
Lidl0,29 €0,44 €0,47 €
Kaufland0,29 €0,44 €0,47 €
Aldi Süd0,29 €0,44 €0,47 €
IKEA0,49 €0,57 €0,69 €

Preis pro kWh, Stand Dezember 2025

Gut zu wissen

Für Lidl und Kaufland brauchen Sie die jeweilige App mit hinterlegtem Bankkonto. Bei Aldi Süd geht auch Girocard, Kreditkarte oder Apple/Google Pay direkt an der Säule.

Rechenbeispiel: 100 km (ca. 20 kWh) kosten beim Schnellladen bei Aldi 8,80 €. An vielen anderen öffentlichen Säulen zahlen Sie bei 52–60 ct/kWh zwischen 10,40 € und 12 €.

Rechnet sich ein E-Auto auch ohne Wallbox?

Tragen Sie Ihren Ladepreis ein und vergleichen Sie mit Ihrem jetzigen Auto – Kaufpreis, Strom, Versicherung und Steuer zusammengerechnet.

Mobile Wallbox: die flexible Lösung

Eine mobile Wallbox ist ein tragbares Ladegerät für verschiedene Steckdosen – von der Haushaltssteckdose bis zur Starkstromdose (CEE). Für Mieter ideal: keine baulichen Veränderungen, beim Umzug nehmen Sie sie mit, und sie funktioniert auch im Urlaub oder beim Arbeitgeber.

ModellLeistungPreisBesonderheit
NRGkick 32Abis 22 kWab 1.200 €Testsieger, Temperaturüberwachung, App, Solarstrom-Laden, IP66, ca. 4 kg
Juice Booster 3 airbis 11 kWab 1.100 €ADAC-Testsieger, 2 kg, über 30 Adapter, überfahrbar bis 3 t
go-e Charger Gemini flexbis 22 kWab 600 €Preis-Leistung, auch fest montierbar, WLAN, IP54
Anmeldepflicht beachten

Seit Januar 2024 müssen auch mobile Wallboxen beim Netzbetreiber angemeldet werden. 11 kW sind anmeldepflichtig, 22 kW genehmigungspflichtig. Die Anmeldung ist kostenlos und dauert meist nur wenige Tage.

Ladeleistung je nach Steckdose

SteckdoseLeistungReichweite pro StundeHinweis
Schuko (230 V / 10 A)2,3 kW~13 kmNur zum Notladen
CEE blau (230 V / 16 A)3,7 kW~20 kmAuf Campingplätzen üblich
CEE rot 16 A (400 V)11 kW~60 kmEmpfohlen
CEE rot 32 A (400 V)22 kW~120 kmGenehmigungspflichtig

Beim Arbeitgeber laden

Arbeitgeber dürfen Ladestrom für private E-Autos kostenlos und steuerfrei bereitstellen. Immer mehr Firmen tun das – auch als Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte. Für Mieter ist das besonders bequem: morgens anstecken, abends voll.

Vorteile
  • Laden während der Arbeitszeit
  • Oft kostenlos oder vergünstigt
  • Steuerfreier geldwerter Vorteil
  • Kein Aufwand für Sie
Zu beachten
  • Verfügbarkeit nicht garantiert
  • Eventuell begrenzte Ladezeit
  • Arbeitgeber bestimmt die Konditionen
  • Fällt bei Jobwechsel weg

Tipp: Fragen Sie aktiv nach. Viele Unternehmen planen Ladesäulen oder haben schon welche, von denen nicht alle Mitarbeitenden wissen.

Ladekarten im Vergleich

Der Ladestrommarkt ist ein Tarif-Dschungel. Mit der passenden Ladekarte sparen Sie laut ADAC bis zu 62 % gegenüber spontanem Laden ohne Vertrag (Ad-hoc).

AnbieterGrundgebührACDCBesonderheit
EnBW mobility+11,99 €/Monat0,39 €0,49 €Größtes Netz
ADAC e-Charge0 €0,55 €0,55 €Keine Grundgebühr
Maingau0 €0,51 €0,56 €Gute Abdeckung
Shell Recharge5,99 €/Monat0,44 €0,49 €Dynamische Preise
Ad-hoc (ohne Karte)–0,60–0,90 €0,70–1,00 €Teuer

Preis pro kWh, Stand Dezember 2025

Empfehlung für Mieter

Besorgen Sie sich 2–3 Ladekarten ohne Grundgebühr. So bleiben Sie flexibel, zahlen keine Fixkosten und können immer den günstigsten Preis wählen. Mehr dazu: Öffentlich laden: Kosten, Apps & Ladekarten.

Ihr Recht auf eine Wallbox

Viele Mieter wissen es nicht: Seit Dezember 2020 können Sie vom Vermieter die Erlaubnis für eine Wallbox verlangen (§ 554 BGB, eingeführt mit dem WEMoG). Ablehnen darf er nur in begründeten Ausnahmefällen.

  1. 1
    Gespräch suchen
    Erklären Sie Ihr Vorhaben. Vermieter sind oft offener als gedacht – eine Wallbox wertet die Immobilie auf.
  2. 2
    Schriftlich beantragen
    Per E-Mail oder Brief, mit technischen Details, Position und dem Hinweis auf Installation durch einen Fachbetrieb.
  3. 3
    Kosten klären
    Grundsätzlich zahlen Sie. Verhandeln Sie trotzdem über eine Beteiligung – der Vermieter profitiert mit.
  4. 4
    Beim Netzbetreiber anmelden
    Nach der Genehmigung. Seit Januar 2024 Pflicht für alle Wallboxen, auch für 11 kW.
Wann darf der Vermieter ablehnen?

Nur bei besonderen Umständen: Denkmalschutz, grundlegende Umgestaltung der Anlage, unbillige Benachteiligung anderer Eigentümer oder unverhältnismäßig hohe Kosten. Eine pauschale Ablehnung ist nicht zulässig.

Was kostet das? Öffentlich vs. zu Hause

Laut LichtBlick-Ladesäulencheck 2025 ist Laden unterwegs im Schnitt teurer als zu Hause – mit Ausnahmen.

Kosten für 100 km (20 kWh Verbrauch)
Supermarkt5,80 €
Wallbox6,60 €
Benziner10,20 €
Öffentl. AC10,40 €
Öffentl. DC12,00 €
Autobahnbis 17,80 €

Grau = Benziner zum Vergleich. Quelle: LichtBlick Ladesäulencheck 2025, ADAC

LadeoptionKosten pro kWhKosten pro 100 km
Wallbox zu Hause0,33 €6,60 €
Supermarkt (AC)0,29 €5,80 €
Öffentlich AC (Durchschnitt)0,52 €10,40 €
Öffentlich DC (Durchschnitt)0,60 €12,00 €
Ad-hoc an der Autobahn0,79–0,89 €15,80–17,80 €
Benziner zum Vergleich–~10,20 €

Berechnet mit 20 kWh pro 100 km

Überraschung: Wer gezielt beim Supermarkt lädt, zahlt mit 29 ct/kWh weniger als für durchschnittlichen Haushaltsstrom (33 ct/kWh).

5 Tipps für Mieter ohne Wallbox

  1. Supermarkt-Routine einführen: Wocheneinkauf bei Aldi, Lidl oder Kaufland und dabei laden. 30 Minuten Schnellladen = rund 25 kWh = etwa 150 km für 11,75 €.
  2. Lade-Apps nutzen: EnBW mobility+, ADAC e-Charge oder Chargemap zeigen freie Ladepunkte, Preise und Bewertungen. Mehr: Ladestationen finden.
  3. Mobile Wallbox für unterwegs: Ab rund 600 € laden Sie an jeder Starkstromdose – bei Verwandten, im Urlaub, auf dem Campingplatz.
  4. Arbeitgeber fragen: Kostenloser Ladestrom ist für Sie steuerfrei.
  5. Vermieter überzeugen: Nutzen Sie Ihr Recht nach § 554 BGB und bieten Sie an, die Kosten zu tragen.

Fazit: E-Auto ohne Wallbox? Kein Problem.

Ein E-Auto ohne eigene Garage ist heute gut machbar. Über 180.000 öffentliche Ladepunkte, Supermarkt-Laden ab 29 ct/kWh und mobile Wallboxen ab 600 € geben Mietern alle Möglichkeiten. Gezielt beim Einkaufen zu laden ist sogar günstiger als die Wallbox zu Hause.

Unser Rat: Starten Sie mit 2–3 Ladekarten ohne Grundgebühr, gewöhnen Sie sich das Laden beim Einkaufen an und sprechen Sie parallel mit Ihrem Vermieter über eine Wallbox. Wie viel Sie das insgesamt kostet, zeigt der Kostenrechner.

Häufige Fragen

Kann ich ein E-Auto ohne eigene Wallbox fahren?

Ja. Mit über 180.000 öffentlichen Ladepunkten, Supermarkt-Ladesäulen ab 29 ct/kWh und Lademöglichkeiten beim Arbeitgeber ist ein E-Auto auch ohne eigene Wallbox alltagstauglich.

Darf mein Vermieter eine Wallbox verbieten?

Nur in Ausnahmefällen, etwa bei Denkmalschutz oder unverhältnismäßig hohen Kosten. Seit Dezember 2020 haben Mieter nach § 554 BGB einen Anspruch auf die Erlaubnis.

Wo lädt man am günstigsten ohne Wallbox?

Bei Lidl, Kaufland und Aldi Süd: AC-Laden kostet dort 29 ct/kWh – weniger als durchschnittlicher Haushaltsstrom (ca. 33 ct/kWh).

Muss ich eine mobile Wallbox anmelden?

Ja. Seit Januar 2024 müssen auch mobile Wallboxen beim Netzbetreiber angemeldet werden. 11 kW sind anmeldepflichtig, 22 kW genehmigungspflichtig.

Quellen

  • Bundesnetzagentur: Ladesäulenregister (Stand: November 2025)
  • LichtBlick: Ladesäulencheck 2025
  • ADAC: Ladetarife für Elektroautos (Stand: Dezember 2025)
  • Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland): Offizielle Ladepreise
  • WEMoG: Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (seit 01.12.2020) · § 554 BGB
  • ADAC Test: Mobile Wallboxen 2024

Alle Angaben ohne Gewähr. Preise können sich ändern und regional variieren. Wallboxen immer von einem zertifizierten Elektrofachbetrieb installieren lassen. Bei rechtlichen Fragen zum Mietverhältnis hilft ein Fachanwalt.